Geschichte

   

 

           

Zur Geschichte des Jakobuskultes und der Jakobswege

 

   

 

Kathedrale von Santiago de Compostela

   Jakobus der Ältere war einer der zwölf Jünger Jesu, Sohn des Zebedäus und Bruder von Johannes. Der Legende nach ging er gleich nach Christi Himmelfahrt in die römische Provinz Hispania, dem heutigen Spanien, um dort zu missionieren, allerdings mit wenig Erfolg, kehrte dann nach Palästina zurück und wurde dort schließlich auf Befehl des Königs Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahre 43 geköpft.

   Nach einer in Spanien seit dem Mittelalter verbreiteten Legende wurde sein Leichnam in ein Boot gelegt, das dann an die Küste Spaniens getrieben wurde. Nach einer anderen    Version brachten seine Jünger Athanasius und Theodorus den Leichnam auf dem Seeweg  in sein Missionsgebiet Spanien und setzten ihn in einem Steingrab auf dem Gebiet der heutigen     Stadt Santiago de Compostela bei. Nach einer anderen in Kirchenkreisen verbreiteten  Legende schenkte Kaiser Justinian die Gebeine dem Sinaikloster; in den   Stürmen des Islam brachten Mönche die Reliquien in Spanien in Sicherheit. Als die Muslime auch Spanien eroberten,  vergrub man die Reliquien an der Stelle, an der sich heute Santiago de Compostela befindet. Ausgrabungen zeigen, dass sich dort eine Nekropole –ein Friedhof - befand, die zu einem römischen Militärlager aus dem 1. bis 4. Jahrhundert und einer Suebieschen Siedlung aus dem 5. bis 7. Jahrhundert gehört hatte. 

 
   

  Im Zeitraum 818-834 wurde das angebliche Grab entdeckt. Der Legende zufolge hatte der Eremit Pelayo eine Lichterscheinung, die auf ein Apostelgrab hinwies. Man meldete das Theodemir, dem Bischof von Iria Flavia, der dann, als man tatsächlich ein Grab fand, erklärte, es sei das Grab des Heiligen Jakobus. Darauf ließ König Alfons II. von Asturien (791-842) dort eine Kirche errichten, die sich zu einem Wallfahrtszentrum entwickelte. Um die Kirche herum entstand ein Dorf, das im 10. Jahrhundert zur Stadt Santiago wurde. 

   Die einschiffige Kirche wurde bald zu klein. So wurde 872 unter König Alfons III. mit einem größeren dreischiffigen Bauwerk begonnen. Am 10. August 997 zerstörte Almansor, der große Heerführer des Kalifen von Córdoba, die Stadt und die Kathedrale.

 

                         

           Beginn meines Pilgerweges in Saint-Jean-Pied-de-Port in Südfrankreich

   

                               

Aufstieg über die Pyrenäen nach Spanien

  

    Erst unter Alfons VI. wurde die Kirche neu aufgebaut. Die Arbeiten begannen nach verschiedenen Quellen entweder 1075 oder 1078. Um diese Zeit wurde Santiago de Compostela neben Rom und Jerusalem zum bedeutendsten Wallfahrtsort der Christenheit.

    Die Legende, wonach Jakobus in Spanien gepredigt hat, wird von der heutigen Geschichtsforschung als unhistorisch betrachtet. Es gibt auch keinen Anhaltspunkt für die Vermutung, dass die Reliquien echt sind.

   Seit etwa 930, nachdem Nordspanien geschlossen dem christlichen Herrschaftsgebiet eingegliedert wurde, sind vereinzelt Pilger aus Aquitanien, das ist  heute eine Region im Südwesten Frankreichs, und dem Bodenseegebiet nachgewiesen.

  

   

   Die erste Erwähnung des Jakobsweges stammt aus dem Jahre 1047, als in einer Urkunde des Hospitals von Arconada (Provinz Palencia) die nordspanische Hauptverkehrsachse bezeichnet wird als „Weg, der seit alten Zeiten von Pilgern des hl. Jakobus und Peter und Paul begangen“ werde. Es ist die erste urkundliche Erwähnung dieser Straße überhaupt, und sie bringt den Weg von vorneherein mit dem Grab des hl. Jakobus in Galicien in Verbindung. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff Jakobsweg auch für andere historisch nachgewiesene Routen von Jakobspilgern in Europa verwendet.

                  

                          Auf dem Camino unterwegs mit dem Koreaner Peter

 

   

                                        

                                                                  Weinkooperative in der Rioja

   Vom 11. bis zum beginnenden 13. Jahrhundert erlebte der Jakobsweg seine Blütezeit. Das christliche Europa zog scharenweise nach Santiago de Compostela, bis zu 1.000 Pilger kamen täglich an das Apostelgrab.

    Ein typisches Bild der Jakobspilger zeigen zeitgenössische Darstellungen: ein breitkrempiger, vorne hochgeschlagener Hut, weiter, langer bis fast auf den Boden liegender Mantel, Pilgerstab, eine Kalebasse –also ein Kürbis-, als Wasserbehälter, eine Tasche für wichtige Pilgerdokumente sowie die Jakobsmuschel als    Essteller und als Beweis für die Pilgerschaft. Später wurde die Jakobsmuschel Erkennungszeichen der Jakobspilger.

    Die formschöne Jakobsmuschel galt seit dem 4. Jahrhundert    ganz allgemein als Wallfahrtszeichen, bis sie ihre eigene Jakobslegende erhielt: Ein portugiesischer Ritter stürzte an der spanischen Küste ins Meer, denn die  leuchtende Gestalt des Jakobus hatte sein Pferd geblendet und zum straucheln gebracht. Über und über mit Jakobsmuscheln bedeckt sei er aus den Fluten gerettet worden.

 

   

   Im 15. Jahrhundert erlebte Santiago de Compostela durch die Einführung besonderer Gnadenjahre, in denen ein vollkommener Ablass gewährt wurde, einen weiteren Aufschwung. Sein Einzugsbereich reichte bis Skandinavien und Ostmitteleuropa. Zwar existieren weder für das Hoch- noch das Spätmittelalter Hinweise auf konkrete Pilgerzahlen, aber aus englischen Pilgerschifflizenzen lässt sich für das 15. Jahrhundert erkennen, dass in den Heiligen Jahren etwa vierzehn mal so viele Pilger wie in Normaljahren nach Santiago de Compostela gekommen sind. Der neuerliche Aufschwung währte jedoch nur kurz, da nach der Zusammenlegung der beiden mächtigen spanischen Königreiche Kastilien und Aragon letztendlich die Mauren 1492 in Granada geschlagen und aus Spanien vertrieben wurden, brachen große Pestepidemien aus. Aber auch die Spaltung der Christenheit und durch die Reformation und Religionskriege  im späten Mittelalter kam es zu einem Abflauen der Pilgerbewegung.

                    

                                                 Kathedrale von Burgos

   

            

                         Weit ist der Weg - und der Weg ist das Ziel

   Wegen ihrer Nähe zum Aberglauben waren im 18. Jahrhundert Pilgerfahrten verpönt. Der spanische Staat löste im 19. Jahrhundert die Klöster auf um die Staatskasse aufzufüllen und gab damit der Bewegung einen starken Rückschlag. Im Heiligen Jahr 1867 fand    der Festgottesdienst am Jakobstag den 25. Juli vor gerade einmal  40 Pilger statt.

   Der englische Seefahrer und Pirat Francis Drake hat 1589 die Reliquien schützen wollen, ausgegraben und versteckt, aber sie wurden vergessen. Um den Jakobskult neu zu beleben, wurde 1879 nach der Reliquie gesucht. Sie wurde gefunden und in einer Bulle   von Papst Leo XIII für echt erklärt, um Zweifler zum Schweigen zu bringen.

 

   

   Spätestens mit dem spanischen Bürgerkrieg (1936 – 1939) fanden diese leichten Ansätze einer Wiederbelebung der Pilgerfahrten ein jähes Ende. Mit der zaghaften Öffnung Spaniens in den 60er Jahren kamen vorwiegend kunsthistorisch interessierte Pilger, aber auch religiös motivierte Pilger, besonders  aus Frankreich.

   Nach dem Tode Francos (1975) und dem Heiligen Jahr 1976 rückt das Apostelgrab und der Jakobsweg wieder in das internationale Bewusstsein und erlebte eine Renaissance. 

   Papst Johannes Paul II. besucht 1982 und 1989 die Apostelstadt. 

  

                  

                 Canal de Castilla - 207 km lang, diente dem Getreidetransport

   

           

                                    Calzadilla de la Cueza

    Die Altstadt von Santiago de Compostela wurde 1985  von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

   Der Camino de Santiago, der  Jakobsweg, wurde 1987 zum ersten europäischen Kulturweg erhoben, und 1989 fand in Santiago de Compostela der IV. Weltjugendtag statt.

  Im Jahr 2000 war Santiago de Compostela Kulturhauptstadt Europas.

   Das nächste Heilige Jahr ist 2010 und im letzten Jahr war ich auf dem Jakobsweg. Davon möchte ich kurz etwas berichten:

 

   

Was hat mich bewegt den Weg zu gehen?                                                                               

    Meine erste Erinnerung,  vom Jakobsweg gehört zu haben, liegt schon mehr als 20 Jahre zurück. Ein Schulfreund von mir, mit dem ich das  Abendgymnasium besucht habe, ist  Priester geworden, und er ist diesen Weg schon viele Male gegangen. Von ihm habe ich das erste Mal etwas vom Jakobsweg gehört. Was er mir erzählte hat mich so fasziniert, dass ich ihn immer, wenn wir uns trafen, danach fragte. So reifte der Wunsch in mir den Weg auch einmal zu gehen. Jedoch aus familiären und beruflichen Gründen konnte ich erst im letzten Jahr mir den Wunsch erfüllen. Eine Mischung aus religiösen und kulturellen Gründen waren meine Beweggründe.

 

                   

                 Aus Mangel an Steinen baute man mit Adobe, luftgetrockneten,

                                        später auch gebrannten Ziegeln

   

             

                                                                                                                           Heute bin ich gut 50 km gelaufen und habe Egbert aus Franken nach langer Zeit in Mansilla de la Mulas wieder getroffen.   Gemeinsam haben wir lecker und gut gegessen sowie Rotwein getrunken.

 

 

Wie habe ich mich vorbereitet?                  

   Einige Bücher, die den Jakobsweg beschreiben oder von Pilgern berichten, die den Weg bereits gegangen sind, habe ich in den   letzten Jahren gelesen.

   Im vorletzten Jahr wurde meine Planung konkreter. Zunächst  machte ich mir klar, dass ich im nächsten Jahr bereits 60 Jahre alt werde und mit zunehmendem Alter vielleicht aus gesundheitlichen Gründen den Weg nicht mehr gehen kann.

   So begann ich im Sommer 2007 mit einem Lauftraining, dass ich von ca. 5   km über 8 und  12  auf 18 km steigerte. Meine Fitness nahm  zu und das Laufen machte mir Freude.

   Im Januar des letzten Jahres habe ich bei meinem Arzt einen Gesundheitscheck machen lassen, denn ich wollte meine Entscheidung von meinem gesundheitlichen Zustand abhängig machen. Da außer kleinen Wehwehchen mein Arzt nichts feststellte, konnte ich jetzt meine Vorbereitungen für den Jakobsweg treffen.

 

   

   Mein Lauftraining habe ich intensiviert und die Tagesstrecke auf ca. 25 km ausgedehnt. Schließlich im März den Rucksack mit 10 kg  gepackt und 3 Mal - in Anführungszeichen - die Höhenzüge des Oermter Berges nicht erklommen aber gelaufen, eine letzte Vorbereitung für die Überquerung der Pyrenäen und das spanische Hochland.  

   In der der Familie, bei Freunden und Bekannten habe ich von meinem Plan erzählt. Im Internet und Büchern, konnte ich konkrete Vorschläge für die Ausrüstung und Kleidung erhalten und auf meine Bedürfnisse ausrichten. Zwei Etappenpläne habe ich ausgearbeitet und für die Gesamtstrecke 45 Tage eingeplant.

   Letztlich habe ich Plan 3, der sich während des Weges entwickelte, ausgeführt und 40 Tage gebraucht. 

 

                     

                                        Catedral Santa María de León

                        125 Fenster mit Glasmalereien vom 13. -20. Jahrhundert

   

                                

Wegkreuz vor Astorga

   Wie war die Anreise?

    Ich hatte mich für den Camino Francés entschieden. Als Ausgangspunkt wählte ich das malerische Städtchen Saint-Jean-Pied-de-Port am Fuß der Pyrenäen. Von Frankfurt-Hahn flog ich mit Ryanair - nach Biarritz (Flugdauer knapp 2 Stunden). 

   Prompt mit einigen anderen Pilgern in den falschen Bus eingestiegen, sodass wir noch einen kleinen Fußmarsch bis zum Bahnhof Bayonne zurücklegen mussten. Von Bayonne fährt dann mehrmals täglich ein Zug nach Saint-Jean-Pied-de-Port.  Die Fahrt dauert etwa 1 Stunde und 15 Minuten;

 

   

  Die Flugkosten hängen natürlich von der Reisezeit und der möglichen Vorlaufzeit (also Frühbuchung im Internet) ab. Für den Hinflug habe ich incl. Gepäck ca. 55 Euro bezahlt. Der Rückflug von Santiago nach Frankfurt-Hahn   kostete ca.  60 Euro. Da ich jedoch den Rückflug umgebucht habe, musste ich  mehr als  für Hin- und Rückflug, ca. 180 Euro nachzahlen.

   Die Gesamtetappe mit 33 Einzeletappen  beträgt ca. 950 km. Jedoch an den Etappenzielen  bin ich am Nachmittag oder an folgenden Tagen, um den Ort oder die Stadt zu erkunden und zu besichtigen, noch insgesamt ca. 250 km gelaufen. Somit also ca. 1.200 km in 40 Tagen, dass sind im Durchschnitt täglich 30 km. Die Einzeletappen lagen zwischen ca. 5 km und 50 km.

 

                                 

Familie mit 2 Kindern und 2 Esel als Lastenträger,

unterwegs auf dem Camino in El Ganso

   

8000 qm große Templerburg in Ponferrada

Wie war die Unterkunft?

    Pilger benötigen einen Pilgerausweis, Credencial. Dieser Pilgerausweis berechtigt zur Unterkunft in den Pilgerherbergen, Refugios oder Auberge, in Frankreich Oberge oder gite. Um die Pilgerurkunde Compostela zu erhalten muss er täglich gestempelt und bei Ankunft im Pilgerbüro in Santiago vorgelegt werden.

   Fußpilger müssen mindestens die letzten 100 km, Fahrradpilger und Pilger zu Pferd oder Esel mindestens die letzten 200 km vor Santiago nachweisen.

                  

   

   Vor Antritt der Reise sollte man eine Liste von Übernachtungsmöglichkeiten besorgen. Das verhindert böse Überraschungen, wenn eine Herberge  geschlossen ist. So war z. B. die Herberge in San Juan de Ortega geschlossen; der berühmte "Knoblauchsuppen-Pfarrer" José María Alonso war verstorben und die Stelle des Pfarrers blieb vakant. Nach dem anstrengenden Aufstieg in bis Agés oder Atapuerca.

    Die Vergabe der Betten erfolgt im Windhundverfahren, dass heißt: wer zuerst kommt erhält ein Bett zugeteilt. In den einschlägigen Wanderführern  sind die meisten Herbergen mit Bettenzahl sowie weiteren Infos aufgeführt.  

 

                       

                                                Passhöhe von San Roque

   

                             

Kloster Samos

 

   Zur Qualität der Unterkünfte ist zu sagen, man muss schon einige Abstriche von seiner gewohnten Umgebung machen. Aber das soll ja auch zu einer Pilgerreise gehören. Die Großzahl von Herbergen ist mit Stockbetten, Literas, den zweistöckige Betten, ausgestattet, ich habe aber auch dreistöckige Betten gesehen. Nicht immer stehen genügend Waschplätze, Duschen und WC zur Verfügung.

   Persönlich habe ich nur einmal eine negative  Erfahrung gemacht. In der städtischen Herberge von Burgos waren die sanitären Anlagen und die Unsauberkeit nicht zumutbar.

 

   

   Zu den Regeln in den Herbergen gehört es, dass die Ruhezeiten von 22:00 Uhr bis ca. 06:00 Uhr eingehalten werden. Leider interessieren sich viele der Frühpilger nicht für das Ruhebedürfnis ihrer Mitpilger. Und so wird man öfters bereits um 04:00 Uhr durch Tuscheln, Rascheln, Taschenlampen und Kopflampen - geweckt, nur damit diese "Pilger" rechtzeitig auf die Rennbahn kommen. In den größeren Herbergen sind Schlafsäle mit bis zu 150 Betten.    Von Vorteil sind daher unbedingt Ohrstöpsel, die auch bei Schnarchattacken gut helfen.

An der Stadtgrenze von Santiago

   

                             

Kleine Stärkung nach dem langen Pilgerweg

Wie war die Verpflegung?

    Das spanische Frühstück Desayuno ist meist knapp. Manchmal gibt es nur kleinen Zwieback zur üblichen Marmelade, der  Mermelada und Butter Mantequilla. Es empfiehlt sich also  vorzusorgen. Das Stangenweißbrot Pan kann in einer der unzähligen Bäckereien der Panadería für unter einem Euro gekauft werden.

   Oft gibt’s zum Frühstück Tostadas; das ist das getoastete und in Hälften geschnittene Weißbrot vom Vortag. Für einen guten Start in den Tag unentbehrlich: ein Milchkaffe - Café con leche. Den gibt’s in Bars, wo meist auch kleinere Speisen oder belegte Brötchen Bocadillos serviert werden. Wer gerne Espresso trinkt: das ist in Spanien der Café solo. Für Unterwegs sind auch die Würstchen Chorizos - zu Pan - zu empfehlen.

 

   

    Einkaufen kann man in den Tiendas, den Tante Emmaläden oder im Supermarkt, den Supermercados. Einige große deutsche Discounter sind auch in Spanien zu finden;

   Generell gewöhnungsbedürftig sind die Öffnungszeiten in Spanien, die nicht   immer mit dem Pilgerleben kompatibel sind. Man muss sich an Begriffe wie geschlossen Cerrado, Siesta oder Mañana gewöhnen.

   Unbedingt versuchen sollte man die Tapas, kleine Appetithäppchen. Wer gerne Meeresfrüchte mag, fragt nach Mariscos oder Pulpo, den Tintenfisch. Und nicht nur wer Süßes mag, dem schmeckt die Galizische Mandeltorte, Tarta de Santiago, den Santiagokuchen.  

 

                          

                         Zubereitung von Pulpo a feira - gekochte Krake - Tintenfisch

   

                             

Mit Jo aus Australien vor der Kathedrale in Santiago de Compestela

  

In den meisten Orten am Jakobsweg wird ein Pilgermenü angeboten. Dieses besteht aus drei Gängen, beispielsweise:

  • als 1. Gang: (primer Plato) Salat Ensalada, Nudeln Pasta oder Suppe Sopa,

  • 2. Gang: (segundo Plato) Fleisch Carne oder Fisch Pescado, und

  • 3. Gang: (Postre) der Nachtisch: z.B. Eis Helado oder Pfirsich Melocoton

   Im Preis von ca. 6-10 Euro sind Wasser oder Wein enthalten.

    Mit der Verpflegung hat es recht gut geklappt. Für mich erstaunlich war, dass ich vieles hier gegessen habe, was ich zuhause nicht gegessen habe. Ich kann bestätigen, wenn man mehr als 6 Stunden gelaufen ist, hat man richtig Hunger und „Der Hunger treibt’s hinein“. Am besten ging es indem man mit leckerem Rotwein nachspülte.

   

 

    Essen ging man mit Mitpilgern in einem kleinen, einfachen Restaurant oder es wurde von den Herbergseltern ein Pilgermenü gekocht.  In einigen wenigen Herbergen wurde von den Herbergseltern angeboten gemeinsam das Abendessen zuzubereiten. Da meine Küchenfertigkeiten und Kochkünste recht bescheiden sind, habe die Tische gedeckt und Wein in Flaschen abgefüllt. Einmal waren wir ca. 30 Personen aus England, Irland, Australien, Schweden, Polen, Italien, Korea, Slowenien  anderen Ländern und Deutschland. Ein ganz toller gemeinsamer Abend, sehr lustig und man lernt nette und interessante Leute kennen.

    Pilger und Pilgerinnen, die man immer wieder auf dem Weg begegnet. Mal sieht man sie 3 Tage hintereinander oder auch erst nach mehr als 14 Tagen wieder. Man ist zwar alleine gestartet, aber ist als lockere, ungebundene Gruppe die sich immer wieder erneuert auf dem Camino unterwegs. Eine Erfahrung die ich nicht kannte und die ich mir auch nicht so toll vorgestellt habe.

 

                 

    Gemeinsames Abendessen in der Herberge Karl Leisner in Hospital de Orbigo

   

                             

Mit Melanie auf dem Weg zum Ende der Welt - Finisterre

 

   Es war so wie Bert Schmitz mir in einer E-Mail schrieb: „Ich wünsche Dir nette, aber nicht zu nette Bekanntschaften.“ Nun, ich muss sagen es waren nette und sehr nette Bekanntschaften, und auch Freundschaften die ich knüpfen konnte.

   Hier möchte ich mich herzlich bei allen bedanken, die mir während meines Pilgerweges eine E-Mail geschrieben haben oder vielleicht an mich dachten und überlegt haben wo ich gerade in Spanien bin.

   Es gibt noch sehr viel mehr zu berichten, aber ohne das ich Bilder zeige die vieles erzählen, was nicht mit Worten gesagt werden kann, ist es schwer das zu vermitteln. Die Pilgerroute führt durch kulturhistorische Höhepunkte in den großen und kleinen Städten und Dörfern am Jakobsweg.

   Der Weg ist vor allem ein Naturerlebnis. Er führt durch die Provinz Navarra, dem Baskenland, und wird bestimmt durch das sehr grüne und im Frühjahr buntes, blühendes Pyrenäenbergland mit dichten Wäldern und ausgedehnten Weiden.

   

   

 

   Weiter geht es durch die Weinbauregion La Rioja. Der Rioja-Wein, besonders der Rotwein ist auch bei uns sehr beliebt.

   Durch die zentralspanische Region Kastilien und Leon mit 9 Provinzen führt der Jakobsweg über 400 km durch die Provinzen Burgos, Palencia und Leon.

   Die weiten, ebenen, kargen Landschaften der Meseta – der baumlosen und sehr dünn besiedelten Gegend – mit ihren riesigen Getreidefelder, die bis an die Ausläufer des schneebedeckten kalabrischen Gebirges ist sehr beeindruckend sind. Sie ist aber auch eine starke Herausforderung und fordert Willensstärke vom Pilger.

 

                  

                                Horreos - Kornspeicher auf Stelzen in Galizien

   

                              

Der Atlantik bei Finisterre - Ende der Erde

   Schließlich geht der Weg in die Region Galicien. Sie ist die geheimnisvollste am Jakobsweg und bis heute mit vorchristlichem Gedankengut verwurzelt. Uralte Kulturen, insbesondere die Kelten, haben ihre Spuren hinterlassen. Der Weg ist nun vor allem Naturgenuss. Er führt in liebliche Kuhweideidyllen und malerische Dörfer, in schattige Eichenwälder und duftende Eukalyptuswälder. Galicien ist sehr grün, dass hat seinen Grund, denn es regnet sehr häufig. Meist jeden dritten Tag und ich hatte das Pech, dass es sogar dreimal am Tag regnete. Aber am Ende meines Pilgerweges wurde ich in Finisterre – was Ende der Welt, Ende der Erde bedeutet – mit einer sehr schönen, größtenteils natürlichen Küste mit weißen Sandstränden und zerklüfteten Klippen belohnt.

   Hier bin ich jetzt auch am Ende, am Ende meines kleinen Berichtes.

 
   

 

 

Gottfried Olie

26. Januar 2009

 

Quellen: Spanischer Jakobsweg von Cordula Rabe, 3. Auflage 2007

Der Jakobsweg von Ulrich Wegener, Sonderausgabe 2003